Entertainment 3,241 views Dec 13, 2014
Verurteilt zu Lieben

Mein Versuch einen Roman zu schreiben.

Was sagt Ihr dazu?  

Freue mich auf Euren Feedback/Kritik.   Vielen Dank!  

 

Salaam, Orhan       VERURTEILT ZU LIEBEN  

Kapitel 1  “Kannst du dir vorstellen, mich zu heiraten?” fragte ich sie entschlossen.

Ich war mir todsicher, dass sie diese Frage nicht anders beantworten konnte als mit „Ja“. Und das nicht deshalb, weil ich ein extrem gut aussehender Mann war oder unheimlich überzeugt von mir war. Es war ein sicheres Gefühl, das mir sagte, dass diese Frau zu mir gehörte, wie der Kern in die Frucht. Sie war das fehlende Puzzlestück in meinem Puzzle. Zwischen meiner Frage und Ihrer Antwort lag eine Zeitspanne von weniger als 10 Sekunden, doch für mich schien es als eine halbe Ewigkeit. Wie fremd-besetzt lies sie meine Hand los, verblüfft von ihrem Verhalten, mir ihre Hand ausgestreckt zu haben, nachdem ich sie mit dem islamischen Gruß begrüßte und ihr meine Hand hinhielt. Sie schaute mich mit großen braunen Augen an. Sie hatte die schönsten funkelnden braunen Augen, in die ich jemals hineinblicken durfte. Sie war so schön, dasskein Auge je zuvor gesehen hatte.

 

Ihre zarte Stimme betörte meine Sinne wie der Wein den Trinkenden. Denn kein Gehör hatte je zuvor ihre Stimme vernommen und sie war eine makellose Frau, die sich kein Herz je zuvor gewünscht hatte oder sich der Verstand vorgestellt hatte. Ich begann den Sinn der Schönheit zu erforschen. Ich suchte eine Antwort auf die Frage, warum wir den Schönheiten dieser Welt verfallen sind. Ob menschliche Schönheit, die Schönheit in der Natur oder eine andere Form der Schönheit,sie fasziniert jeden, nur warum ist das so. Ich wollte wissen, warum große Kulturen an der Schönheit zerbrachen.

 

 

Um welche Art von Schönheit es sich handelt, spielte keine Rolle. Doch an jenem Tag war es mir vergönnt, eine Antwort zu erhalten. Ich glaube, selbst Shakespeares Sprachstil wäre zu bescheiden, um ihre Schönheit zu beschreiben. Seit der ersten Begegnung wussten wir, dass wir für füreinander bestimmt waren, auch wenn ich es mehr wusste als sie, sollten wir nicht sofort zusammenkommen. Denn jeder Liebesgeschichte geht eine Leidensgeschichte voraus, lehrt uns die Liebesgeschichte von Romeo und Julia, von Leyla und Madschnun. Ich war nicht darin geübt, Fragen dieser Art zu stellen und schon gar nicht in einem Supermarkt zwischen den Regalen für Pflegeartikel.

 

Noch weniger war ich darauf vorbereitet, mit einer Antwort umzugehen, wenn sie „Ja“ lauten würde. Aber wie sollte ich reagieren, wenn sie meine Frage verneinte, fragte ich mich. Bevor ich mir selbst eine Antwort geben konnte, hörte ich ihre Worte, „Ich stecke gerade in einer Scheidung und habe keinen Kopf dafür.“ Ich weiß nicht warum, aber ihre Worten schienen durch einen Übersetzungskanal in meinem Gehirn zu laufen und die übersetzte Botschaft sagte mir: „Eigentlich will ich dich heiraten, aber nur jetzt kann ich es dir nicht sagen. Ich brauche etwas Zeit“. Dies beruhigte mich ungemein, obgleich ihre Worte den Spross der Hoffnung in mir zu ersticken drohten.

 

Ihre zwei Kinder holten mich aus meiner Trance zurück in die Gegenwart und ließen mich erkennen, dass sie kein Interesse hatte. Ich verabschiedete mich höflich und unsere Wege trennten sich. Es war eine Trennung mit Wiedersehen, ohne dass ich es wusste. Aber ich konnte es spüren. Ich wusste es, aber ich konnte es nicht ausdrücken. Ich konnte es empfinden, war aber unfähig, es zu erklären. Was mir aber blieb, war ihr Name, Jamila.

Auf den Heimweg konnte ich an nichts anderes denken als nur an sie. Ich fasste diese Gedanken in einem Gedicht zusammen und stellte mir vor, wie ich ihr diese Zeilen vortrug:   Du bist Balsam für meine Augen Die Vervollkommnung meines Glaubens Wenn ich dich sehe, spüre ich Gottesnähe Du bist kein Engel, nein! Und kannst nicht vom Himmel sein. Denn du hast mir das Herz gestohlen. Sag ist es nicht verhohlen, mir zu sagen ich soll leben ohne Herzen in der Brust, ohne Liebe ohne Lust, ist der Mensch nur ein Tier, ein Gefangener seiner Gier.  

             

 

+++++++++++++++++  

 

 

Einige Jahre zuvor. Ich packte eine Sporttasche und war im Begriff das Haus zu verlassen. Es war ein schönes großes Fachwerkhaus, in dem die Eltern meiner damaligen Freundin Sonja wohnten. Als ich mich zur Tür umdrehte, stand Sonja vor mir. „Schatz, was machst du denn hier?“ fragte ich sie verwundert. Denn ich wusste, ihre Tante aus Australien hatte ihr ein Flugticket geschickt und ich selbst hatte sie am Frankfurter Flughafen verabschiedet. Sonjas lange Haare waren offen und mir schien es als würde ein leichter Wind durch ihre goldene Haare wehen.

 

Sie schaute mich fast leblos an, mit einem Ausdruck vom Abschied. „Baby, seit wann bist du zurück. Wie bist du her gekommen?“, wollte ich wissen. Sie kam auf mich zu und umarmte mich. Ich hörte sie schluchzen. „Liebes, ist alles in Ordnung bei dir, was ist los?“ Langsam löste sie sich aus meiner Umarmung und schüttelte den Kopf.

 

Ihre eindringlichen, messerscharfen Blicke spüre ich noch bis heute auf mir, als ob ich ständig unter Beobachtung stünde. Sie schaute mich an und ich sah ihre in Tränen ertränktenblauen Augen. Sie schüttelte den Kopf. „Schatz, wir stürzen ab. Die Maschine stürzt ab.“ „Liebes, was erzählst du da!?“ redete ich auf sie ein. „Ich bin gekommen, um mich zu verabschieden.“ „Nein Liebes, es ist alles in Ordnung. Du bist hier bei mir.“ Ich umarmte und presste sie fest an meinem Körper. 

 

 

Plötzlich explodierte die Tür hinter ihr und ein gewaltiger Sog riss sie aus meinen Armen. Ich wachte nass verschwitzt auf. Das Dachfenster war halb offen. Es regnete hinein und mein Bett war halbdurchnässt. Mein digitaler Wecker zeigte die Uhrzeit an. Es war 11:53 Uhr. Ich eilte zum Telefon und tippte eine Nummer.

Ich zitterte am ganzen Körper und vertippte mich mehr Mals. Ich atmete tief ein und konzentrierte mich auf die Telefonnummer, die ich eigentlich auswendig konnte. Nach mehrfachem Läuten hob schließlich jemand ab. Es war die Mutter von Sonja, Johanna. Johanna war eine Frau Mitte 50 und lebte mit ihrem Lebenspartner in dem großen Haus zusammen, das sie von ihrem Ex-Mann bekam.

 

 

Ich bat sie schnell zu mir nach Hause zu kommen und legte auf. Während der Kaffee fertig kochte, stand ich unter der Dusche.  Als Johanna endlich da war, erzählte ich ihr von meinem Traum. „Rohan, du machst dir unnötig Sorgen. Sonja fliegt nicht zum ersten Mal so einen langen Flug.“ Ich war durcheinander und bemühte mich, beherrscht zu wirken. Denn ich wollte sie nicht auch in Angst und Schrecken versetzen. „Sicher hast du Recht“, zwang ich mich zu sagen.

 

„Und, hast du schon mit deiner Bachelorarbeit angefangen?“ lenkte sie vom Thema ab. „Als ob ich jetzt im Stande wäre nur einziges Wort zu schreiben.“ Erst jetzt verriet mir Johanna, wieso sie derart schnell bei mir sein konnte. Sie hatte ohnehin einen Termin in der Nähe, zu dem sie jetzt aufbrechen musste. Sie stand auf und verabschiedete sich.

 

 

Auf dem Weg zur Tür gab sie mir einen Rat: „Junge, sieh zu, dass du mit deiner Bachelorarbeit anfängst.“  Doch in meinem Kopf schwirrte nur ein Wort: Sonja! Der Courser blinkte auf dem weißen, leeren Textdokument. Mit meinem Laptop auf dem Schoß saß ich auf mein Bett und blickte ich aus dem Dachfenster in den blauen Himmel. Der Regen hatte aufgehört. Die Vögel zwitscherten in den Nachmittag Tag. Niemand außer mir war zu Hause.

 

Leichte kühle Brise legte sich auf meinen Körper und brachte ihn zum zittern. Sonja nannte mich oft „Frostbeutel“, weil ich im Gegensatz zu ihr Kälte nicht ertragen konnte. Der schrille Klingelton meines Mobiltelefons lies mich zusammen zucken. Ich hatte Angst abzuheben, denn die Nummer, die mich anrief, war unterdrückt.

Ich malte mir aus, dass es die Polizei war und mir mitteilen wollte, dass Sonja.... Ich konnte und wollte diesen Gedanken nicht zu Ende denken und hob hastig ab. Es war mein Kumpel, Rafael. „Hey Rohan, ich hab gehört, du bist wieder da!?“ Sofort erkannte ich seine Stimme. Ein erleichtertes „Ja“ brach aus mir aus. In seinen Ohren muss es geklungen haben wie aus dem Munde eines seit Jahren aus der Haft Entlassenen. „Junge, ich habe dich zwar auch vermisst, aber doch nicht auf diese Art“, scherzte er. Rafael war immer zu Scherzen aufgelegt, immer für einen Joke bereit.

 

„Heute Abend hol ich dich ab und dann machen wir Party.“ Ich hatte keine Lust, mir eine Ausrede einfallen zu lassen und folgte seiner Einladung, was ich nicht hätte besser tun sollen. Und ich lehnte seine Aufforderung in meinen Gedanken ab, bis ich erkennen musste, dass ich in Gegenwart von Sonja, die Wahrheit erzählen musste.

 

 

Die Wahrheit über den Abend mit Rafel. Ich saß mit Sonja in ihrem Elternhaus in dem großen Wohnzimmer bei gedimmten Licht. Die Kaminfeuerstelle, spendete eine wohlige Wärme. Doch es war mir alles andere als wohl bei dem Gedanken, für das Worte zu finden, für das es keine Worte geben darf. Aber es war geschehen und ich war schuld daran. Wie sollte ich etwas erklären, an was ich mich selbst nicht erinnern konnte.

 

 

Konnte ich mich wirklich nicht daran erinnern, was an jener Nacht mit Rafel geschah oder wollte ich es einfach verdrängen, diese Frage lief vor meinem inneren Auge bis Sonja leibhaftig vor mir auf und ablief und mich zu einer Antwort drängte, berechtigterweise. „Ich finde es gut und mutig, dass du mir die Wahrheit erzählt hast, aber zugleich finde ich es Scheiße, was du gemacht hast. Aber soll das jetzt das Ende unserer Beziehung bedeuten?“ Ich schaute in die Leere und wünschte mir, die Zauberkräfte von Harry Potter zu haben du alles Ungeschehen zu machen.

Doch ich war nur Rohan, der seine Freundin betrogen hatte. Ein Herzensbrecher wie er im Buche steht.  

Fortsetzung folgt. ...